Die Burg Wartenstein wurde ursprünglich
zum Schutz der direkt an
ihr vorbeiführenden alten Weinstraße
von Österreich nach Karantanien erbaut.
Die Burg erhebt sich an der
Straße, die von Gloggnitz über
Schlagl bzw. Raach in das Feistritztal
führt.
Um 1130 wird urkundlich ein "Reginboto
Longus, miles de Raie (Raach)"
genannt. Noch um 1170 wird ein "Eberhard von Raach" erwähnt; um 1190 scheint bereits ein
"Hermannus de Wartenstein" auf. Es kann daher die Erbauung der Burg nach 1170 und vor
1190 gesetzt werden. In dieser Zeit wurde die einst kleine Rodungsburg am Raacher Berg zu
einer Grenzburg gegen Österreich ausgebaut. Wartenstein, damals noch auf steirischer Seite,
besaß einen Bergfried auf dem Kalkfelsen, dahinter einen Palas und eine Ringmauer. Doch
schon als 1192 die Steiermark nach dem Tod Herzog Ottokars IV. an Österreich fiel, verlor
Wartenstein seine strategische Bedeutung. Hermann war ein niederer Dienstmann der steirischen
Ottokare und kann als Bauherr angesehen werden.
Es ist nicht ausgeschlossen, dass er aus der Familie der Grafen von Pitten stammte, vielleicht
sogar mit Hermann von Pitten identisch ist. Der südliche Teil der Burg, der romanische Turm
links neben der Einfahrt, weist heute noch auf diesen alten Teil der Anlage hin. Um 1215 dürfte
er gestorben sein und sein Bruder (?) Konrad trat die Nachfolge an, der in einer Urkunde aus
1220 nicht mehr die Bezeichnung "miles", sondern "ministerialis" führt, er war also in der Rangordnung
gestiegen; denn ein solcher Dienstherr hatte das Recht, eigene Gefolgsleute (milites)
zu haben.
Für die nächsten sechs Jahrzehnte fehlen alle Nachrichten. Erst 1287 scheint Wartenstein
wieder auf und wird in der betreffenden Urkunde als "castrum" bezeichnet; d.h. sie war also bereits
eine Burg mit militärischer Funktion! Die Stubenberger bauten den nördlichen, größeren der
beiden neu erbauten quadratischen Türme mit der weitläufigen Ringmauer, Torturm, Rundtor
und Fußgängerpforte. In dieser Zeit entstand auch die gotische Dreikönigskapelle. "Heinrich von
Stubenberg" hieß der neue Herr. Er ließ das "vesthaus" zum viereckigen "castrum" ausbauen.
Dazu gehörte, dass zwei mächtige Steintürme die Wohn- und Wirtschaftsgebäude auf dem
schmalen Felsgrat begrenzten. Dadurch rutschte der romanische Bergfried etwas in die Mitte
der Anlage und verfiel, höchst wahrscheinlich baubedingt, da er durch seine wehrhafte Bauart
nur wenig Wohnkomfort bot.
Ihm folgte der "her Ercheger", vermutlich ein außerehelicher Sohn des Stubenbergers. Nach
dem Tode Erchengers, zwischen 1311 und 1326, wurde die Burg landesfürstlich. Die österr.
Herzöge belehnten die Herren von Falkenberg mit dem "vest haus", d.h. eine stark befestigte
Anlage = Burg. Die Falkenberger hatten ihren bedeutendsten Besitz nahe der Donau im Kampgebiet,
Wartenstein wurde durch Pfleger verwaltet. Nach dem Tode des letzten Falkenbergers,
1355, traten die Herren von Capellen und die Herren von Wallsee als nächste Verwandte die
Erbschaft an, aber diese verzichteten noch im selben Jahr zugunsten der Capeller, die aber
auch nicht lange im Besitz der Herrschaft Wartenstein blieben. Sie verkauften alles dem Landesfürsten,
der aus wehrpolitischen Gründen daran interessiert war (Semmering).
Die 1379 erfolgte Länderteilung zwischen den Herzögen Albrecht III. und Leopold III. wirkte
sich auch für Wartenstein aus. Herzog Leopold III. sah sich infolge seiner ungünstigen Finanzlage
gezwungen, diesen Besitz 1380 an Hermann I. von Cilli zu verpfänden. Diese Grafen von
Cilli blieben aber nur 2 Jahre Herren von Wartenstein, denn 1382 kaufte Herzog Albrecht III. die
Herrschaft um 4000 Pfd. zurück; diese Summe hatte er von Iwan von Bernstein erhalten. So
hatte die albertinische Linie der Habsburger den Besitz erworben, die Verwalter waren Burggrafen.
Von Herzog Albrecht V. bekam 1412 Leopold von Eckartsau Burg und Herrschaft als "Leibgeding".
Aber bald darauf bewog die wehrpolitische Bedeutung der Veste den Herzog, diese wieder
in landesfürstlichen Besitz zu nehmen. Der Eckartsauer erhielt dafür Schaunberg/OÖ. Wieder
war es die schlechte Finanzlage, die Herzog Albrecht V. zwang, Wartenstein 1428 an seinen
Vetter Friedrich IV. von Tirol zu verpfänden. War es auch Herzog Albrecht V. gelungen, die Verpfändung
nach einigen Jahren wieder aufzuheben, so musste er doch nach seiner Wahl zum
Deutschen König (Albrecht II.) eine neuerliche Pfandsumme auf Wartenstein von dem Tiroler
aufnehmen, wodurch die albertinische Linie diesen Besitz verlor. Nach dem Tode Albrechts V.
(II.) hatte Herzog Friedrich V. von Steiermark (1415 – 1493, der spätere Kaiser Friedrich III.
1452) die Vormundschaft über Sigmund, dem Sohne Friedrich IV. von Tirol, übernommen und
hob die Verpfändung zu Lasten seines Mündels auf, dem es auch trotz verschiedener Bemühungen
nie mehr gelang, die Herrschaft Wartenstein zu erwerben. Der Besitz war wieder landesfürstlich
geworden, Pfleger führten die Verwaltung. Um 1470 übergab der Kaiser diesen Besitz
dem von ihm, zum Schutze des Vaterlandes vor Feindeinfällen aus dem Osten, 1468 gegründeten
St. Georgs Ritterorden, um diesem Orden eine finanzielle Grundlage zu schaffen.
König Matthias Corvinus aus Ungarn
versuchte Kaiser Friedrich III.,
der ebenfalls den Titel König von Ungarn
führte, in mehreren Kriegen Österreich
und die Steiermark abzunehmen.
1482 war es Matthias Corvinus
gelungen, einen siegreichen Vorstoß
in das Semmeringgebiet zu machen.
Wartenstein war in höchster Gefahr,
in die Hände der Ungarn zu fallen. Da
erzielte der damalige Hochmeister
des St. Georgorden mit König Matthias
Corvinus einen Vergleich – Wartenstein
wurde neutralisiert. Dieser
Zustand währte aber nicht lange, das
siegreiche Vordringen der Ungarn über den Semmering in das Mürztal entschied auch das
Schicksal der Burg, ohne belagert worden zu sein, kam sie in den Besitz des ungarischen Königs.
Nach dem Tod König Matthias Corvinus (1490), setzte unter Kaiser Maximilian I, den
Sohn Friedrich III., die Wiedergewinnung der Steiermark und (Nieder-)Österreichs ein und im
Zuge dieses militärischen Vorgehens wurde auch Wartenstein wieder habsburgisch.
In all diesen schweren Zeiten saßen hier die Pfleger des Ritterordens, der in eine Krise geraten
war und dringend einer Reorganisation bedurfte. Um die Rettung zu erreichen, übergab der
Hochmeister einen Teil der Ordensgüter dem Bischof von Wr. Neustadt. Darunter auch die Burg
Wartenstein. Der Bischof musste sich dafür verpflichten, selbst in den Orden einzutreten und
"die in Wiener Neustadt ansässigen Georgritter mit Quartier und Verpflegung zu versorgen". In
der darüber ausgestellten Urkunde vom 6. Nov. 1522 scheint u. a. der Pfleger Wolfgang Leroch
(Lerch) als Zeuge auf, der ein sehr umsichtiger Verwalter war.
Während mehrerer Türken Einfälle in den Raum des Wiener Becken (1529 bis 1532) blieb die
Veste verschont, obwohl die Umgebung schweren Schaden litt. Da der neue Bischof von Wr.
Neustadt, Johann Fabri, dem Orden nicht beitrat, verlangte der Hochmeister des St. Georg Ordens,
Prantner, die Rückgabe aller seinerzeit übergebenen Güter. Es kam zu einer grundlegenden
Veränderung im Gutsbesitz. Nach dem Tod des genannten Hochmeisters 1541, wurde von
Kaiser Ferdinand I. die landesfürstliche Finanzkammer mit der Verwaltung des Ordensbesitzes
betraut. Die immer noch bestehende Gefahr neuer Türkeneinfälle zwang den Kaiser zu starken
Rüstungen, wozu er reiche Geldmittel benötigte. Mit Zustimmung des Papstes wurde auch die
Herrschaft Wartenstein verpfändet, die Geldgeber mussten sich u. a. verpflichten, für die Wehrhaftigkeit
der Burg zu sorgen.
Auch bei der Bestellung der Verwalter machte der Landesfürst
seinen Einfluss geltend. Von den Pächtern dieser
Zeit sei Christoph Urschenbeck genannt, der sich
bemühte, den Besitz als freies Eigentum seiner Familie
sicherzustellen. Er verstand es durch Darlehen an den
Landesfürsten, das ganze Gut zu seinen Gunsten zu
belasten, welche Finanzpolitik sein Sohn Bernhart fortsetzte
und dem es gelang, Burg und Herrschaft von dem
ideenmäßigen Rechtsnachfolger des St. Georgordens,
dem Grazer Kollegium der Jesuiten, käuflich als Eigentum
zu erwerben.
Bis 1633 saßen die Urschenbeck auf Wartenstein, die
die Herrschaft 1609 erwarben und der Burg ihre heutige
Gestalt, mit dem basteigeschütztem Torturm, einer zweiten
Kapelle und dem auch an seiner Ostseite verbauten
schmalen Innenhof, gaben. Ihnen folgten die Herren von
Petrowitsch. Durch eine Testamentsklausel des Georg
Andreas aus diesem Geschlecht, sollte beim Aussterben
aller Erbberechtigten dieses Hauses der Wiener Servitenorden
die Rechtsnachfolge antreten, Casimir gelang es aber, von den Serviten eine Verzichtserklärung
auf ihre Ansprüche zu erreichen. In dem langen Rechtsstreit gegen die Urschenbecks
wegen der Höhe des Kaufbetrages war Casimir nicht so glücklich, er verlor den Prozess und
musste 71.000 Gulden nachzahlen.
Bis 1720 blieben die Petrowitsch Eigentümer, dann folgten die neapolitanischen Grafen Stella,
die infolge ihrer Stellungen, die sie bekleideten, selten auf Wartenstein weilten und daher Verwalter
bzw. Pächter bestellten, was auch von ihren Nachfolgern gesagt werden kann. Es war die
Familie Caracciolo, die bis 1870 die Herrschaft besaß. Nach der Verwüstung durch die Franzosen,
Anfang des 19. Jhdts., oblag einem Verwalter dem ein oder zwei Kanzlisten, ein Jäger und
ein Gerichtsdiener zur Seite standen, die Betreuung der Güter und des Schlosses, in welchem
sie amtierten und wohnten. 1875 wurde dann die Burg durch die Liechtensteiner erworben und
auch restauriert.
Während des 2. Weltkrieges waren im Schloße staatliche und Wehrmachtsstellen untergebracht.
Durch die hier verlaufende Front und das Vordringen der Russen im April 1945 wurde
dieser Raum Kampfgebiet und die Burg stark beschädigt. Nach Kriegsende wurde der Bau von
der Besatzungsmacht beansprucht.
1950 wurde die Burg im Auftrag des schwedischen Industriellen und Philanthropen Dr. Axel L.
Wenner-Gren angekauft und 1957 zu dem europäischen Zentrum seiner wissenschaftlichen
Stiftung "Wenner-Gren-Foundation for Anthropological Research of New York" durch den Architekten
Richard Praun umgestaltet. Die feierliche Übergabe an die Anthropologen erfolgte am 17.
August 1958. Heute ist die Burg im Privatbesitz des Amerikaners Raymond A. Rich.
Kurze Baugeschichte der Burg Wartenstein
Durch den Torturm mit seinem Haupttor und der Fußgängerpforte kommt man in den lang gestreckten
Hof. An seiner Westseite die ehemalige alte Hochburg mit Palas und viereckigem
"Berchfrit"; an diesen Bautrakt schließt nördlich die (neue) Stiegenanlage mit ihren beiden Podesten
an, dann folgt der Küchentrakt. Die Ostseite des Hofes nimmt der nach 1957 umgebaute
Gebäudeteil ein, an dessen südlichem Ende sich ein zweiter Berchfrit erhebt, sein oberstes dreifenstriges
Geschoß kragt vor. Die schwach ovalförmige Anlage schließt im Norden ein starker
Wachtturm ab. Der Westtrakt der Anlage mit Berchfrit und Palas kann zwischen 1175 und 1200
gesetzt werden. Mit größter Wahrscheinlichkeit wurde im Zuge dieses Baugeschehens auch
eine der Zeit entsprechende einfache Ringmauer errichtet. Es war somit jene dreieckige Grundrissgestaltung
geschaffen worden, die dann in der fortschreitenden Entwicklung der Wehrhaftigkeit
zur Errichtung der beiden Türme am N-Ende und in der SO-Ecke führte. An der Innenseite
der Ringmauer standen sicher einfache Holzbauten, die als Schupfen und Stallungen Verwendung
fanden. Damit war die mittelalterliche Burg vollendet, die infolge ihrer strategischen Bedeutung
mit Recht die Bezeichnung "castrum" führte.
Die Stubenberger bauten im 13. Jhdt. den nördlichen, größeren der beiden neu erbauten quadratischen
Türme mit der weitläufigen Ringmauer, Torturm, Rundtor und Fußgängerpforte. In dieser
Zeit entstand auch die gotische Dreikönigskapelle. Später wurde die Burg landesfürstlicher
Besitz und kam so im 15. Jhdt. in den besitz des St. Georgs Ritterordens. Später wurde die Burg
vielfach verpfändet und 1529 von den Türken zerstört. Danach wieder aufgebaut und 1645 umund
ausgebaut.
Die Gotik nahm nur geringe Bauänderung vor: die bis 1873 in der ursprünglichen Form bestehende
Kapelle mit ihren Fresken war erbaut worden und mancher Innenraum erhielt gotischen
Schmuck. Die kommende Renaissance gestaltete auch diesen Bau in ihrem Geiste um, der mittelalterliche
Baucharakter musste modernen Wohn- und Verteidigungsanlagen Platz machen.
Die östliche Ringmauer wurde Außenmauer des hier errichteten Wohntraktes und ein ähnlicher
Einbau wurde zwischen Hochburg und N-Turm geschaffen; diese Um- bzw. Neubauten können
zwischen 1550 und 1575 gesetzt werden. In die Zeit zwischen 1600 und 1650 fällt die Errichtung
des Torturmes und die sich zu seinen beiden Seiten erstreckenden Bastionsanlagen wie auch
der neuen Kapelle.
Die Burg war der verwaltungspolitische Sitz der gleichnamigen Herrschaft, die vor allem den
oben genannten Raum um Raach, Schlagl und Sonnleiten umfasste, und hier saß der Herr, der
über jene Rechtsfälle entschied, für welche die niedere Gerichtsbarkeit zuständig war und dem
auch die Ausübung der Ortsobrigkeit für leichte und schwere Polizeiübertretungen oblag. Aus
einem Schriftstück des 16. Jh. geht hervor, dass damals die Herrschaft in ein unteres und oberes
Amt geteilt war.
Dies war der Bauzustand bis 1873. Eine Überprüfung der "Zufluchtsörter" wegen der drohenden
Türkengefahr ergab zwar auf Wartenstein hinreichende Waffen- und Munitionsvorräte, aber
einen schlechten Verteidigungszustand, was Schloss und Umgebung fühlen mussten. In einem
Bericht aus 1748 wird dagegen der Bauzustand als ein guter bezeichnet. Kleine bauliche Veränderungen
wurden von dem Architekten Ignaz Banko in den 1870ger Jahren vorgenommen.
Der bereits im 17. Jh. bis zur Dachhöhe angetragene SO-Turm wurde wieder erhöht, die beiden
anderen Türme bekamen oben vorkragende Stockwerke und einige Gebäude Erker und Balkone,
alle Bauteile wurden neu gedeckt.
Die Anlage wurde Anfang des 19. Jhdts. durch die Franzosen stark verwüstet und 1875 durch
den Fürsten Liechtenstein restauriert. 1945 durch den hier verlaufenden Frontverlauf stark zerstört
und 1950 von der "Wenner-Gren-Foundation" erworben und ab 1957 mit größtem Aufwand
ausgestattet.
Quelle und © Text:
Markus Hauser, Kröllgasse 29/1/13 - 1150 Wien,
Stephan Merten, Kopernikusstraße 7/9 - 4020 Linz,
Fotos: F.Pulpan
Bilder der Burg
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